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Möglichkeiten und Grenzen der Astrologie

Anja Christine Henke

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Warum machen Sonnenstandshoroskope Sinn? Haben Sie sich schon einmal gefragt, was man durch die Hinzunahme von Zeit und Ort gewinnt? Oder warum Zwillinge z.T. so unterschiedlich sind, obwohl sie nur im Abstand von wenigen Minuten geboren sind? Was kann Astrologie und wo liegen ihre Grenzen? Hier finden Sie die Antworten …

Viele Menschen kennen Horoskope nur aus Tageszeitungen, aus Illustrierten oder aus dem Radio. Diese Horoskope beziehen sich größtenteils auf den Stand der Sonne zum Zeitpunkt der Geburt des jeweiligen Menschen. Ein Mensch, der also z.B. an einem 1. April geboren ist, ist ein Widder.

Es lohnt sich, gleich zu Anfang einen Punkt näher zu beleuchten, der häufig Anlaß zu Verwirrung gab. Der Tierkreis umfasst, wie jeder Kreis, 360°. Dieser Kreis wird in zwölf Abschnitte à 30°, die sogenannten Tierkreiszeichen unterteilt. Durch unterschiedliche Faktoren wie der Einteilung der Erde in Zeitzonen, der Dauer eines Jahres von 365 Tagen oder der Existenz von Schaltjahren ergibt es sich, dass der Beginn eines Tierkreiszeichens nicht jedes Jahr auf den gleichen Tag fällt. Das Tierkreiszeichen Widder beginnt z.B. im Jahr 1999 am 21. März um ca. 02:45h, im Jahr 2000 jedoch bereits am 20. März um ca. 08:35h. Nicht jeder der am 20. März geboren ist, ist also ein Widder. So ergeben sich auch die z.T. unterschiedlichen Angaben in Büchern und Zeitschriften.

Ist ein Mensch nun also am 1. April geboren, sagt man in der astrologischen Terminologie, seine Sonne steht im Tierkreiszeichen Widder. Dieser Mensch wird also Eigenschaften aufweisen, die dem Widder entsprechen. Er wird z.B. ein energischer, direkter und spontaner Mensch sein, der kurzfristig ungeheuer viel Energie mobilisieren kann, jedoch mit dem Dranbleiben eher Mühe hat. Ausdauer ist nicht seine Sache, der Widder ist ein Sprinter, ein Kurzstreckenläufer. Er ist ein Pionier, den es schnell wieder zu neuen Ufern drängt und der immer wieder eine neue Herausforderung braucht.

Diese Eigenschaften teilt man zunächst einmal mit allen anderen Widdern. Wäre dies jedoch alles, müsste man davon ausgehen, dass ca. 1/12 der Menschheit die gleichen Eigenschaften aufweist, was nicht der Fall ist. Eine erste Ausdifferenzierung, die auch in den Medien oft noch berücksichtigt wird, entsteht, indem man die Tierkreiszeichen in drei Abschnitte, die sogenannten Dekaden unterteilt. Hierbei geht man davon aus, dass Menschen, deren Geburtstag in das erste Drittel eines Tierkreiszeichens fällt, die typischsten Vertreter ihrer Art sind. Bei Menschen der zweiten Dekade sind die entsprechenden Eigenschaften bereits etwas schwächer ausgeprägt und in der dritten Dekade, besonders gegen Ende, kommt es schließlich allmählich zu einer Vermischung mit den Eigenschaften des darauffolgenden Tierkreiszeichens. Die Übergänge gestalten sich dabei immer fließend und nie abrupt.

Grundsätzlich kann man sagen, dass Sonnenstandshoroskope durchaus Sinn machen, da sie eine erste Annäherung an das Wesen eines Menschen ermöglichen. Die Sonne ist ein äußerst wichtiger Punkt im Horoskop, vergleichbar dem Herz im Körper. Sie ist unser zentraler Lebensantrieb, unser Motor und die Quelle unserer Vitalität. Sie beschreibt, wie wir uns selbst verwirklichen und ausdrücken wollen, kurz unsere bewußte Identität und unser Wollen. Ein individuell erstelltes Horoskop beinhaltet jedoch viel mehr. Das Herz ist im Körper zwar ein äußerst wichtiges Organ, ohne das wir nicht überleben könnten, aber es ist natürlich nicht das einzige. So gibt es auch in der Astrologie weitere Planeten, die den Menschen genauer beschreiben. Erst die Summe aller Planeten und ihre individuelle Wechselwirkung ergibt den Mensch in seiner Ganzheit. Die Zutaten (Planeten, Tierkreiszeichen, Häuser) sind stets die Gleichen, sonst könnten wir einander überhaupt nicht verstehen. Aber bei jedem Menschen sind diese Zutaten anders gewichtet, das jeweilige Mischungsverhältnis ist individuell verschieden. Mindestens genauso wichtig ist das zweite Hauptlicht, der Mond. Er zeigt uns, wie wir fühlen, wie unsere Bedürfnisse aussehen und was wir brauchen, um uns wohl und geborgen zu fühlen. Im Gegensatz zu dem bewußten Wollen der Sonne repräsentiert er unser unbewußtes Wünschen. Sonne und Mond können sich gut ergänzen. Das, was wir wollen, kann gleichzeitig auch dem dienen, was wir brauchen. So kann jemand z.B. die Sonne im Widder und den Mond im Schützen haben. Beides sind Feuerzeichen und ergänzen sich gut. Der Schütze-Mond liebt das Abenteuer, die Widder-Sonne sucht immer neue Herausforderungen. Kommt zu der Widder-Sonne nun aber ein Waage-Mond hinzu, haben wir es mit gegensätzlichen, aber einander ergänzenden Energien zu tun. Menschen mit einer Widder-Sonne sind Kämpfernaturen und durchaus streitbar, wenn es um das Erreichen ihrer Ziele geht. Der Waage-Mond jedoch braucht Harmonie, erträgt eine gespannte Atmosphäre nur schwer und ist daher eher konfliktscheu. So kann man sich zunächst eine Weile hin- und hergerissen fühlen, ehe es gelingt, beiden Seiten im Leben den gebührenden Raum zu geben.

Der persönlichste Punkt im Horoskop ist der Aszendent. Hieran sieht man, wie wir nach außen wirken, wie wir neue Situationen angehen, wie wir in Erscheinung treten und uns in die Welt setzen. Kommt zu dem oben beschriebenen Fall von Widder-Sonne und Schütze-Mond noch ein Fische-Aszendent hinzu, erscheint der Mensch sehr viel weicher, sensibler, vielleicht auch unscheinbarer als er tatsächlich ist. Und es macht einen großen Unterschied in welche Häuser die Planeten fallen. Die Häuser zeigen uns wo, das heißt in welchem konkreten Lebensbereich sich die Planetenenergien auswirken. Eine Löwe-Sonne im 10. Haus richtet ihr Hauptaugenmerk auf die berufliche Verwirklichung, auf die Karriere. Diese Menschen sind gerne selbständig, wohingegen eine Krebs-Sonne im 6. Haus lieber Angestellter bleibt. Und eine Fische-Sonne im 7. Haus investiert einen großen Teil ihrer Energien in Beziehungen. Der Schwerpunkt liegt hier auf Partnerschaft und sozialen Kontakten. Durch Einbeziehen der restlichen Planeten von Merkur bis Pluto, sowie der Mondknotenachse, Lilith und Chiron vervollständigt sich das Bild. Durch Hinzunahme des Geburtsjahres, von Ort und der genauen Zeit entsteht also erst das individuelle Horoskop, das den jeweiligen Menschen in seiner Einzigartigkeit und Einmaligkeit beschreibt und ihn unverwechselbar macht. Das individuelle Horoskop beschreibt die Ausgangsbasis, die Anlagen, die wir von Geburt an mitbekommen haben, es legt den Menschen aber nicht endgültig oder gar vollständig fest. Es zeigt uns, wo unsere Stärken, Schwächen und Lernaufgaben liegen, mit welchen Themen oder Energien wir im Leben konfrontiert werden. Wir haben aber immer noch den freien Willen und unser Bewußtsein. Indem man sich im Laufe der Zeit besser kennenlernt und an sich arbeitet, kann man sich auch klarer zum Ausdruck bringen. Man bekommt mehr Profil. Haben wir bestimmte Themen im Leben nicht gelöst, kehren sie in bestimmten zeitlichen Abständen immer wieder. Hier kann die Astrologie die Hintergründe aufzeigen und erklären, wie es zu diesem unbewußten Wiederholungszwang kommt und welche Mechanismen hinter diesem Problem stecken. Sie kann uns Lösungswege zeigen, wie wir aus diesem Kreislauf herauskommen und konstruktivere Ausdrucksmöglichkeiten für unsere Grundenergien finden. Je bewußter wir mit den Energien, die im Horoskop angezeigt sind, umgehen, desto mehr Wahlmöglichkeiten haben wir, unser Leben freier und im Einklang mit unserem wahren Wesen zu gestalten. Das Horoskop beschreibt also unsere Ausgangsbedingungen, mit denen wir in diesem Leben starten. Was wir jedoch daraus machen, bleibt uns selbst überlassen. Das Einbeziehen von Zeit und Ort leistet von daher einen wertvollen Beitrag, um den Menschen in seiner Komplexität zu verstehen, um zu sehen, wie wir uns von anderen Menschen unterscheiden, oder auch wo wir uns ähneln. Wie fein die Unterschiede sind, die sich allein durch die Geburtszeit ergeben, lässt sich sehr gut am Beispiel von Zwillingen zeigen, die ja meist im Abstand von nur wenigen Minuten geboren werden.

Nehmen wir einmal die berühmten Kessler-Zwillinge, Alice und Ellen. Alice ist um 01:40 h geboren, ihre Schwester Ellen um 02:08h. Bei beiden stehen die Planeten, sowie Aszendent und MC in denselben Zeichen. So haben beide am meisten Erde und Wasser in ihrem Horoskop. Die Kombination von Erde und Wasser ist eine sehr fruchtbare und kreative Mischung und ist gerade für eine Betätigung im künstlerischen Sektor gut geeignet. Wasser (u.a. Krebs-Aszendent) verleiht ihnen die nötige Inspiration und Erde (u.a. Mond, Merkur und Venus in der Jungfrau) hilft bei der Umsetzung in eine konkrete Form. Hieraus ergibt sich also eine große kreative Gestaltungskraft, gepaart mit dem nötigen Sinn für das real Machbare. Die ebenfalls starke Feuerbetonung (Löwe-Sonne und /-Mars) verleiht ihnen den nötigen Glauben an sich selbst und die Durchsetzungskraft, um sich im Konkurrenzkampf der Unterhaltungsbranche nicht unterkriegen zu lassen. Ihre Löwe-Sonne liebt es, kreativ zu sein und das auf einer Bühne vor einem Publikum zur Schau zu stellen, was ihr an Ausdruckskraft mitgegeben wurde. Hier kommen wir nun zum ersten Unterschied zwischen den beiden. Alice‘ Sonne steht im dritten Haus, dem man u.a. Geschwister, Selbstdarstellung, Medien und Beweglichkeit zuordnet. So verwundert es nicht, dass die Zwillinge mit ihren Gesangs-, und vor allem Tanzdarbietungen stets gern gesehene Gäste in zahlreichen Sendungen sind. Ellens Sonne hingegen steht noch im 2. Haus, dem Haus des Selbstwertes, der Finanzen und der Absicherung. Ellens zentrales Bestreben dürfte damit darin liegen, ein ausreichend großes finanzielles Polster zu schaffen, dass den beiden den Freiraum für ihre kreative Entfaltung auch dauerhaft gewährleistet. Und es geht für sie darum, den Wert aus ihren eigenen Talenten und Begabungen zu schöpfen. Denn auch bei ihr spielt die Bühne eine große Rolle. Sie hat Jupiter, den Planeten der Fülle im 5. Haus, dem man u.a. Kreativität, Spaß und Lebensfreude zuordnet. Hier schenkt er einem den unerschütterlichen Glauben an seine Talente und das Vertrauen, dass das, was man zu bieten hat, beim Publikum auch gut ankommt. Bei Alice hingegen steht Lilith im 5. Haus. Ihr fällt die Selbstdarstellung zunächst schwerer. Die Angst ausgelacht zu werden oder sich zu blamieren ist riesengroß. Dies führt dazu, dass ihr etwaige Patzer oder ein Stolpern unendlich peinlich sind, wohingegen Ellen nur darüber lachen kann und Missgeschicke viel lockerer nimmt. Alice‘ Jupiter steht im 6. Haus, dem Haus in dem auch der aufsteigende Mondknoten der beiden steht, welcher die schicksalsmäßige Lernaufgabe anzeigt. Hier sollte man lernen, sich diszipliniert (aufsteigender Mondknoten im Steinbock) den alltäglichen Notwendigkeiten zuzuwenden, sich über Arbeit zu „erden“ und verantwortungsbewusst mit der eigenen Gesundheit umzugehen. Dies gilt vor allem für Alice, da Jupiter sich dort, wo er steht, gerne einmal übernimmt. Hinzu kommt, dass ihr Mars im 2. Haus steht, womit man gelegentlich dazu neigt, mit seinem Körper etwas unsanft umzugehen, da man sich schier unermüdlich wähnt. Viel Energie fließt auch in den Umgang mit Besitz und dem Verteidigen der eigenen Grenzen, was ihr jedoch schwer fallen könnte, da bei ihr die Achse Stier-Skorpion, auf der es eben um diese Themen geht, eingeschlossen ist. Ellens Mars steht im 1. Haus und dort stehen alle Planeten wie auf einem Präsentierteller. Hier möchte man mit seinen „marsischen“ Eigenschaften Beachtung finden, mit Mut, Energie, Durchsetzungsfähigkeit und Spontaneität. Dies könnte ihr wiederum jedoch schwer fallen, da bei ihr die Achse Widder-Waage eingeschlossen ist. Hier geht es um das Ego, das sich einerseits durchsetzen und behaupten will, das aber andererseits in Beziehungen auch lernen muss Kompromisse einzugehen. Ein sehr großer Unterschied zwischen den beiden kommt dadurch zustande, dass Planeten, die an Hauptachsen stehen, stets ein sehr großes Gewicht haben. Und die unterscheiden sich bei den beiden gehörig. Beide haben Pluto im 1. Haus. Eine Entsprechung dieser Position ist eine nicht ganz einfache Geburt. Bei Ellen steht Pluto aber sehr nahe am Aszendenten, wodurch dies bei ihr, als der später Geborenen weitaus stärker zum Tragen gekommen sein könnte.

Ebenfalls haben beide den Mond als Herrscher des Krebs-Aszendenten im 4. Haus, bei Ellen steht dieser jedoch direkt am IC, was ihre Gefühlsbetontheit noch mehr unterstreicht. Sie braucht eine vertraute Umgebung, ein Basislager, wo sie sich wohl und geborgen fühlt. Die Auseinandersetzung mit Herkunft, Familie, ihren Wurzeln und Gefühlen ist für sie zentral. Sowohl Mond als auch Pluto haben einen guten Bezug zum Zyklischen. Die Kreisläufe des Lebens und der Natur sind Ellen damit vertrauter als Alice. Sie weiß genau, wie wichtig es ist, nicht immer nur zu strahlen oder die Starke zu spielen, sondern auch einmal, gleich der Sonne auf ihrer Nachtfahrt, „abzusteigen“, um sich mit Trauer, Verlusten, Krisen und den eigenen Schattenseiten auseinanderzusetzen. Sie ist sich eher im Klaren darüber, dass schmerzhafte Verluste ebenso Teil des Lebens sind und man alte Gewohnheiten oder Identitäten, die einen am Wachstum hindern, „sterben“ lassen muss, um wieder Raum für neues Leben zu schaffen. Alice dürfte der Umgang mit diesen dunklen Seiten des Lebens viel schwerer fallen. Bei ihr steht Merkur am IC, womit sie ihr Seelenleben zwar sehr gut analysieren und erklären kann, doch um sich den oben beschriebenen Prozessen zu stellen, ist diese Kopflastigkeit eher hinderlich. Hinzu kommt Saturn am MC, dessen Einfluss sie sehr sensibel für gesellschaftliche oder elterliche Botschaften macht. Sie möchte eine Vorbildfunktion einnehmen und richtet sich sehr danach, was „man“ tut, soll oder besser lässt. Saturn in den Fischen schickt ihr Botschaften, wie „man lässt sich nicht hängen“ oder „man lässt sich nicht gehen“, was den Umgang mit schmerzlichen Erfahrungen nicht gerade erleichtert. Doch wo Saturn steht, können wir es auch zur Meisterschaft bringen, wenn wir bereit sind hart an uns zu arbeiten. Im beruflichen Leben dürfte sie es jedoch weitaus einfacher haben, da sie die Dinge viel nüchterner sieht, was die geringe Luftbetonung etwas ausgleicht. Merkur schenkt ihr ein gutes Verhandlungsgeschick und Saturn versteht es, sachlich zu bleiben. Ellen reagiert hier viel emotionaler und fühlt sich damit auch leichter persönlich getroffen, wenn es einmal hart zur Sache geht. Trotz ihrer großen Ähnlichkeit weisen die Zwillinge also deutliche Unterschiede in ihrer Charakterstruktur auf, obwohl sie im Abstand von nur einigen Minuten geboren sind.

So kann es letztlich auch geschehen, dass zwei Menschen sich ähnlicher sind, wenn ihre Geburtstage drei Tage auseinander liegen, als z.B. nur zwei Stunden.