Neurophon, Thinkman & Co. – Funktionieren Mind Machines wirklich?

Der Weg zu mehr Entspannung, gesteigerter Intelligenz und schnellerem Lernen führt von der Haut direkt ins Hirn. Warum? Weil wir mit Hilfe von revolutionärer Technik auch über die Haut „hören“ und so per Ultraschall auf das Unterbewusstsein und die Zellen einwirken können.

Bitte was?! Melodische Klänge sollen meine Intelligenz fördern? Wasserfallähnliches Rauschen soll meine beiden Gehirnhälften synchronisieren? Und spielend, fast wie im Schlaf soll ich mir Sprachen und anderes Wissen aneignen können? Ja – verspricht ein kleiner Apparatus, der sich Thinkman nennt, nicht viel größer als mein Handy ist und zur neuen Generation der Mind Machines gehört.

Im Gegensatz zu den klassischen Mind Machines, die in den 1990er Jahren kurzzeitig für Furore sorgten und wegen enttäuschter Erwartungen aber schnell wieder in der Versenkung verschwanden, arbeiten viele der neuen Hirnverstärker nicht (allein) mit audio-visuellen Signalen, sondern mit Ultraschall. Sie nutzen die Tatsache, dass wir mit Ultraschall hören können.

Vor einigen Jahren haben Wissenschaftler herausgefunden, dass wir uns dazu eines alternativen Hörorgans bedienen, des Sacculus (lat. Säckchen). Mit Hilfe dieser erbsengroßen Innenohrdrüse, die hauptsächlich für den Gleichgewichtssinn zuständig ist, können wir hören, wenn in Ultraschall umgewandelte Klangwellen durch Vibration auf die Haut aufgebracht werden. Über das Sacculus werden diese Signale an das Gehirn weitergeleitet, wo sie entschlüsselt und als Klänge interpretiert werden. So erklärt es sich, dass mit den neuen Mind Machines sogar Menschen „hören“ können, denen das Innenohr chirurgisch komplett entfernt wurde!

Hören mit der Haut

Wissenschaft hin oder her. „Ich bin doch keine Fledermaus“, schießt es mir durch den Kopf, als ich meinen Thinkman auspacke. Das Ganze klingt nicht nur vielmehr nach einer neuen Erfindung von Q, dem genialen Chef-Tüftler von James Bond, sondern das Ding sieht auch aus wie ein Gadget: ein etwas altmodisch anmutender silberfarbener Kasten mit mehreren Knöpfen und einer Buchse. Ich schließe die beiden Schallgeber des Thinkman mit einem Kabel an das Gerät an, umfasse eine der beiden Elektroden und höre – logischerweise – nichts. Dann nehme ich die zweite Elektrode in die andere Hand, schließe also den Stromkreis und höre deutlich ein wasserfallähnliches Rauschen („Rosa Rauschen“). Mein eigentliches Gehör ist definitiv nicht beteiligt, denn sobald ich einen Schallgeber loslasse, „verstummt“ mein Thinkman bzw. ich höre nichts mehr!

Ich rufe eine weitere Testperson herbei, denn angeblich funktioniert das Ganze auch, wenn man eine zweite oder gar mehrere Personen „dazwischenschaltet“. Mein Versuchskaninchen nimmt nun den einen Schallgeber in die Hand, ich den anderen und sobald wir uns die Hände reichen, haben wir Empfang und es plätschert nun munter in vier Ohren.

Ultraschall – Nahrung fürs Gehirn

Hinter diesem Phänomen steckt weitaus mehr als nur eine hübsche Spielerei. Thinkman, Neurophon, HemiSync, MC Square und wie sie alle heißen – die neuen Zellflüsterer halten zumindest teilweise das, was die alten vollmundig versprochen haben. Regelmäßig angewendet verhelfen sie in etwa 20 bis 40 Minuten u. a. zu einer geschärften Aufmerksamkeit, einem fitteren Gedächtnis, einem besseren Schlaf oder einfach nur zur Regeneration. Auch zu therapeutischen Zwecken werden sie inzwischen häufig eingesetzt. Gute Erfahrungen wurden u. a. bei Tinnitus und Hyperaktivität, Konzentrationsschwäche und inneren Blockaden gemacht. Kein Wunder, denn das breite Ultraschallspektrum bietet dem Körper alle Resonanzschwingungen an, die er im gesunden Zustand selber generiert. „Ultraschall ist die Nahrung für das Gehirn, Nahrung für den Körper“, bringt es der Erfinder des Neurophons, der US-Forscher Patrick Flanagan, auf den Punkt.

Die neuen Gehirnwellenstimulatoren können aber angeblich noch mehr. Laut Flanagan funktionieren zumindest die Neurophone als „elektronische Telepathiemaschinen“. Eine Behauptung, mit der Flanagan einst das US-Verteidigungsministerium aufschreckte. Mit der Begründung, seine Erfindung müsse im Interesse der nationalen Sicherheit unterdrückt werden, wurde ihm nach dieser Verlautbarung verboten, daran weiterzuarbeiten. Flanagan benötigte vier Jahre und drei Anwaltskanzleien, um die Freigabe seiner Erfindung zu erwirken – weitere Forschungsergebnisse wurden diesbezüglich bisher allerdings nicht veröffentlicht.

Das Pentagon hatte der findige Flanagan übrigens schon als Zwölfjähriger auf den Plan gerufen, als er im Rahmen eines Schulwettbewerbs aus Elektronikschrott und Bauteilen im Wert von 5 $ einen Fernlenkwaffendetektor zusammengebastelt hatte. Ein paar Ministeriumsmitarbeiter statteten dem Jungen einen Besuch ab und konfiszierten den Detektor – angeblich wurde dieser später in einen Satelliten eingebaut. Als der Geheimdienst CIA später um Flanagans Mitarbeit buhlte, lehnte der übrigens dankend ab.

Den ersten Prototyp seines Neurophons hatte Patrick auch schon in jungen Jahren gebaut: Inspiriert durch die Beschreibung des „Hypnobioskops“ in Hugo Gernsbacks Science-Fiction-Roman „Ralph 124c41+“ plünderte er den elterlichen Haushalt. Ein alter Audioverstärker sowie ein Plattenspieler mussten ebenso dran glauben wie Mamas Putzschwämmchen aus Metall, die mit Plastiktüten isoliert wurden, damit sie passende Elektroden abgaben. Jahre später bedankte sich Gernsback in einem Brief bei Flanagan dafür, dass er seine Maschine hatte Wirklichkeit werden lassen.
Die Geschichte der Mind Machines

Die Grundidee zu den Mind Machines ist allerdings noch wesentlicher älter. Man denke nur an den berühmten „Nürnberger Trichter“ aus dem 17. Jh., der durchaus als eine – wenn auch eher scherzhafte – Frühform dieser Technologie bezeichnet werden kann. Mittels mechanistischer Hilfe sollte Lernstoff in die Köpfe der Menschen eingetrichtert werden, auf dass auch der Dümmste ohne Anstrengung zu geistigen Höchstformen auflaufe.

Die ersten ernst gemeinten Versuche folgten dann etwa drei Jahrhunderte später, als in den 1940er Jahren der amerikanische Neurophysiologe William Grey Walter ein Gerät entwickelte, das bestimmte Frequenzbereiche als akustische oder visuelle Signale ausgab. Ihre Hochzeit erlebten die Brainmachines in den 1990er Jahren, wo sie vor allem als „Mentaltrainer“ angepriesen wurden und während des Hypes kurzzeitig reißenden Absatz fanden.

Manch einer erinnert sich hier vielleicht an seine experimentierlustigen Eltern, die so ein Maschinchen besaßen und mit dicker, umgeschnallter Spezialbrille immer mal wieder zu Puk der Stubenfliege mutierten. Statt einer Art elektrischen Joints erlebten sie jedoch nichts anderes, als bei einer nächtlichen Autofahrt: Sie sahen bunte, flackernde Lichter und es brummte beträchtlich. Die erhoffte Entspannung setzte tatsächlich irgendwann ein: Diese war aber nicht, wie Wissenschaftler schon bald verkünden sollten, blinkbrilleninduziert, sondern kam schlicht und einfach davon, dass man sich ein paar Minuten lang ruhig hinsetzte oder hinlegte und von der Müdigkeit übermannt wurde …

Meinem Versuchskaninchen und mir ging es übrigens nicht anders: Nach nur wenigen Minuten, die wir händchenhaltend mit unserem „denkenden Mann“ verbracht hatten, waren wir sanft in einen meditativen Zustand geglitten.

Mind Machines dürfen von Epileptikern nicht verwendet werden, da sie Anfälle auslösen können. Ansonsten stellen sie aus wissenschaftlicher Sicht ein relativ harmloses Feld für neurophysiologische Selbstversuche dar. Die Preise für die Maschinchen variieren stark – sie kosten im Schnitt zwischen 350 und 650 €. Bestelladressen finden Sie im Internet.