Traditionelle Chinesische Medizin: Heilen auf sanfte Art

Verglichen mit der Heilkunst Chinas ist die Medizin in den europäischen Breitengraden noch gar nicht so alt. Pasteur und Virchow entdeckten erst vor ungefähr einhundert Jahren Viren und Bakterien als Ursache von Krankheiten. Diese Krankheitserreger befinden sich fast überall, und die westliche Medizin ist der Meinung, dass der Mensch nur mittels eines ständigen Überlebenskampfes in seiner Umwelt existieren kann.

Diese Aggressivität unterscheidet die westliche Medizin von der chinesischen. „Die Asiaten glauben, ein Teil der Natur zu sein. Wenn jemand erkrankt, liegt es daran, dass das Gleichgewicht der Natur gestört ist“, erklärt Yang-Soon Park vom Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin in Berlin-Steglitz. „Die Behandlung des Kranken zielt darauf ab, das Gleichgewicht wieder herzustellen.“

Die Chinesische Medizin ist deshalb eine hochwirksame und nebenwirkungsarme Alternative zur Schulmedizin. Wo die komplizierten Verfahren der modernen Medizin versagen, helfen oft einfache natürliche Heilwege. Dabei werden die Schätze der Natur genutzt. Die chinesische Medizin braucht keine aufwändigen Apparaturen. Wo man die westlichen Behandlungsmethoden nicht ersetzen kann, dient sie als wertvolle UnterstützungTao – die Weltanschauung von TCM

Nach Ansicht der Chinesen besteht das Universum aus Himmel, Erde und Menschen. Diese drei stehen in Wechselbeziehung zueinander, denn sie werden von allumfassenden Gesetzen regiert. Der Makrokosmos setzt sich aus Himmel, Erde und all die anderen Lebewesen zusammen, der Mikrokosmos ist der Mensch. Dieser entsteht jedoch im Makrokosmos, durch das Zusammenwirken von Himmel und Erde.

Der Himmel verleiht ihm den Geist, die Erde den Leib. Das Wort „Tao“ bedeutet Weg und in seinem ursprünglichen Sinne meint es den Weg der Gestirne am Himmel oder auch den sinnvollen Weg, der zum Ziel führt. Schon 1000 Jahre vor Christus sahen die Menschen ihre Abhängigkeit vom Makrokosmos, der Mikrokosmos also erkannte seine Abhängigkeit von der Natur. Da die Menschen den Naturgewalten ausgeliefert waren, strebten sie danach, mit der Natur in Harmonie zu leben.

Wu-Xing – die fünf Wandlungsphasen

„Wu“ bedeutet „fünf“, „Xing“ heißt „Bewegung“. Das Wort „Wu-Xing“ heißt übersetzt „fünf in Bewegung Befindliche“. Dieser Begriff kennzeichnet die dynamischen, wechselseitigen Beziehungen zwischen Mensch und Natur. Genau diesen Wandlungszustand der Patienten muss man erkennen, um sie therapieren zu können. So werden zum Beispiel die Milz-Pankreas und der Magen der Erde zugeordnet, Lunge und Dickdarm dem Metall. Herz und Dünndarm gehören zu Feuer, Leber und Gallenblase zu Holz, Niere und Blase zu Wasser. Jedes dieser Organe hat auch einen bestimmten Geschmack, bestimmte Emotionen und Himmelsrichtungen.

Yin und Yang

Yin und Yang ist das Zusammenwirken aller bösen und guten Kräfte, die Vereinigung der Gegensätze. Kaiser Fu-Shi hat sie 2950 vor Christus durch das berühmte Buch „I-Jing“, das „Buch der Wandlungen“ eingeführt. So erzeugen Yin und Yang gemeinsam alle Dinge dieser Welt. In allen Bereichen, so auch beim Menschen, kann einmal das eine oder das andere Prinzip vorherrschen.

Yin und Yang sind jedoch kein Widerspruch zueinander, sondern sie ergänzen sich zu einem harmonischen Gesamtbild. Solange sie im Einklang stehen, ist alles in bester Ordnung. Der Mensch ist gesund. Yang ist die männliche, väterliche Kraft und wirkt in allem, was im Licht ist. Es ist aktiv, hart, trocken, glänzend, warm, schöpferisch und beständig. Yang ist in der Sonne und im Feuer. Yin dagegen ist die weibliche, die mütterliche Kraft. Es wohnt in allem Passiven, Feuchtem, Geheimnisvollem, Verborgenem, Wechselhaftem, Wolkigem, Ruhendem, im Schattigen, im Wasser und in der Erde. Yin ist der Mond. Alles, was hier so gegensätzlich erscheint, bildet eine Einheit. Das eine kann ohne das andere nicht sein.Ohne Licht gäbe es keine Dunkelheit und ohne Trockenheit keinen Regen.

Das eine bedingt das andere. Yin und Yang, Mann und Frau. Ziel der TCM ist es, Yin und Yang in Einklang miteinander zu bringen und Disharmonien in Form von Krankheiten zu beseitigen. Beispiel: Hat ein Patient ein rotes Gesicht, hat er Fieber, fühlt sich innerlich erhitzt und äußert den Wunsch nach Kühle, so befindet er sich in einem akuten Yang-Zustand. Rot ist das Feuer, das Fieber ist ein Hitze-Zeichen. Hier benötigt der Körper Abkühlung, er braucht einen Ausgleich für das Defizit an Yin-Substanz, um wieder in ein harmonisches Verhältnis zu finden. Für ihn ist also Flüssigkeitszufuhr nötig, um die Hitze oder das Feuer in ihm zu löschen.

TCM: Einklang für Körper und Geist

Meridiane und Qi

Zwölf Meridiane hat der Mensch in seinem Körper. Sie verlaufen symmetrisch auf der rechten und auf der linken Körperhälfte. Jeder von ihnen ist einem Organ beziehungsweise einem Körpersystem zugeordnet. Über diese zwölf Meridiane hinaus gibt es noch zwei Wundermeridiane, die kein Pendant haben und die sich auf der Mitte der Körpervorderseite und der Körperrückseite befinden. Werden bei der Vorgeschichte einer Krankheit Störungen des Organs erkannt, akupunktiert man jene Punkte, die auf dem jeweiligen Meridian liegen. Denn Meridiane sind Energieleitsysteme, durch die im Unterhautgewebe und zum Teil auch in tiefen Schichten der Muskulatur alle Körperorgane miteinander verbunden sind.

Diese Meridiane haben die Funktion, die Lebensenergie, auch „Qi“ genannt, durch unseren Körper zu leiten und somit seinen Kreislauf zu erhalten. So ist der Herzmeridian ein Yin-Meridian und steht in Verbindung zum Organ Herz. Sein Partnermeridian ist der Dünndarmmeridian. Dieser ist ein Yang-Meridian und ordnet sich dem Organ Dünndarm zu. Der Milz-Pankreas-Meridian ist ein Yin-Meridian. Die Milz und das Pankreas sind Yin-Organe. Der Magenmeridian ist sein Partnermeridian, er ist ein Yang-Meridian und gehört zum Yang-Organ Magen usw. Ausnahme: Der Herz-Kreislauf-Meridian, der auch Herzbeutelmeridian genannt wird, ist ein Yin-Meridian, hat aber keine direkte Organverbindung, sein Partnermeridian, der „Dreifache Erwärmer“, ebenso.

Mit Nadeln zum Erfolg

Akupunktur ist eine der bedeutendsten Therapieformen bei der TCM. „Aku“ heißt „Nadel“, „Punktur“ bedeutet „Stechen“. Der Therapeut sticht also Nadeln in ausgewählte Punkte des Körpers. Dem diagnostizierten Krankheitsbild entsprechend versetzt man dem Meridian so einen Energieschub, der die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert. Das „Qi“, die Lebensenergie, wird wieder zum Fließen gebracht und stellt die Harmonie zwischen Yin und Yang her. Außerdem wird die Produktion bestimmter Hormone wie Endorphine, Dopamin, Serotonin oder Cortison aktiviert. Endorphine und Serotonin sind so genannte „Glückhormone“, sie heben unsere Stimmung. Cortison wirkt entzündungshemmend und Dopamin unterdrückt Schmerzen. Meistens ist der Patient nach einer Behandlung entspannt, fällt in einen tranceähnlichen Zustand oder schläft einfach ein.

Moxibustion – eine Variante der Akupunktur

Um die Wirkungen der Akupunktur zu verstärken, arbeiten die Therapeuten mit Moxa. „Moxa-Kräuter“ wie Beifuß, Artemisia Vulgaris werden als kleine Kegel hinten auf die Akupunktur-Nadel aufgesetzt und dort verbrannt. Dabei erwärmt sich die Nadel und sendet die Hitze tief in das Gewebe. Die Wirkung der Akupunktur wird intensiviert, die Durchblutung gefördert und das Nervensystem aktiviert. Zusätzlich werden die roten Blutkörperchen vermehrt, die Sauerstoffversorgung verbessert und das Immunsystem gestärkt.

Welche Beschwerden kann man mit TCM behandeln?

Schlafstörungen, Ängste, Herzrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Migräne, Halswirbelsäulenbeschwerden, Ischialgie, Zahnschmerzen, Tinnitus, Tennisarm, Arthrose, Übergewicht, Asthma, Bronchitis, Allergien, Hautkrankheiten, Frauenleiden, Gastritis, Colitis, Schwindelanfälle und Gleichgewichtsstörungen.